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Regionale – alpine – montane – Bautradition im Raum Kitzbühel

Angesichts des nach wie vor anhaltenden Baubooms in der Region Kitzbühel fallen einige Trends bei Bauobjekten auf. Es gibt im Bereich der Architektur-Planung von Wohngebäuden zwei ausgeprägte Tendenzen:

  • einerseits die „regional-alpine Bautradition“ und
  • andererseits moderne Bauformen

Unter „regional-alpiner Bautradition“ verstehe ich hier eine ursprüngliche, im Großraum Kitzbühel verbreitete Bauform, welche sich aus den alten Bauernhausformen entwickelt hat. Diese Bauform hat sich historisch aus Einflüssen der Natur abgeleitet. Holz war der reichlich vorhandene Baustoff. Mit kleinen Fenstern und großen wetterschutzgebenden Vordächern und Balkonen trotzte man strengen, schneereichen Wintern. Ein Teil der bäuerlichen Arbeit konnte unter dem Vordach, auf dem Balkon oder im Schutz dessen erledigt werden.

Diese Formensprache war auch im Wohnbau weit verbreitet. In den letzten Jahren hat sich, vor allem bei neuen, hochwertigen und luxuriösen Wohngebäuden im Raum Kitzbühel die Architektur von der „regional-alpinen Tradition“ zur „montanen Tradition“ weiter entwickelt. Das heißt, dass immer mehr Formen und Einflüsse aus anderen Bergregionen übernommen wurden, vor allem aus dem Schweizer und dem nordamerikanischen und kanadischen Raum.

Aus dem eidgenössischen Raum wurden vor allem großflächige Steinverkleidungen übernommen, während aus den nordamerikanischen Bergen der Lodgenstil mit großen Fensterflächen, massive Dielen und hohen, sichtbaren Dachstuhlkonstruktionen Einfluss auf die örtliche Bautradition genommen hat. Dieser Einfluss setzt sich bis zu den Interieurs fort, Reh- und Gamskrickerln sind Bären- und Elchgeweihen und Großwildfellen gewichen.

Oftmals lassen sich auf den ersten Blick Landhäuser in der Region Kitzbühel nicht mehr von Lodges in anderen alpinen Topdestinationen unterscheiden. Dieser montane Baustil wird vor allem von Feriengästen und Zweitwohnsitzlern bevorzugt, welche meist aus städtischen Gegenden stammen und dort in moderne Bauten wohnen. Sie bevorzugen am Urlaubsort eine vermeintlich urtraditionelle Bauform.

Andererseits zeichnet sich im Raum Kitzbühel seit einigen Jahren ein immer stärkerer Trend zu sehr modernen Wohnbauten, kubischen Formensprachen, Flach- oder Pultdächern, großen Glasflächen, Fassaden mit neuen Materialien, Einsatz von Stahl, etc ab. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass dieser Baustil vor allem von Einheimischen bevorzugt wird. Erklärt werden kann dies daraus, dass die Einheimischen mit dem regionalen Baustil aufgewachsen sind und dem daraus entstandenen Wunsch nach „Neuem“.

Zwischen diesen beiden Positionen gibt es noch die große Masse der „üblichen“ Wohnbauten. Und gerade dieses Segment ist großteils dafür verantwortlich, wie unsere Region in baulicher Hinsicht wahrgenommen wird. Denn der Gast orientiert sich nicht an den architektonischen Highlights, sondern nimmt während seines Spazierganges oder seiner Rundfahrt die Bausubstanz in seiner Gesamtheit wahr. Darin liegt auch die große Bedeutung in diesem Segment, sind doch – neben der Umwelt - gerade die Ortsbilder mit ihren typischen Straßenzügen wesentlich dafür verantwortlich, dass Touristen unsere Region aufsuchen, hier heimisch werden und auch Immobilien erwerben.

Pseudomoderne Wohnbauten gleichen sich in ganz Europa, ob in Wuppertal, Barcelona oder St. Johann. Das ist aber nicht, was die regionale Identität ausmacht und was letztendlich Gäste und Touristen suchen. Gefragt sind letztendlich regional verwurzelte, alpine Bautraditionen. Darin liegt auch die große Verantwortung der Architekten und Baumeister, nämlich traditionell-regionale und altbewährte Bauformen und Wurzeln nicht zu verleugnen sondern zeitgemäß zu gestalten! Das heißt in keinster Weise moderne Wohnbauten abzulehnen. Nein, wichtig wäre es, konsequente Planungen im Einklang mit der regionalen Bautradition, den regionalen Baumaterialien und Bauformen vorzunehmen.

Beispielgebend ist hier Vorarlberg: Hier wurden alten Bauformen und –materialien in neue Gebäude tradiert und es hat sich daraus eine völlig neue, aber zutiefst in der Region verwurzelte Architektur entwickelt. Diese steht im Einklang mit der Umgebung und Natur und bringt neben einer gestärkten regionalen Identität auch bereits massiven „Architekturtourismus“ mit sich.

Vielleicht gelingt es auch in unserer Region, eine eigenständige „Kitzbühler Bautradition“ zu entwickeln. Die besten Voraussetzungen – eine lebhafte Baukultur, kreative Architekten und Baumeister, finanzstarke Bauherren – sind dafür ja vorhanden!

© Dr. Christian Neumayr  MRICS

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